Gottesdienst am 13. April 2020 - Ostermontag

Epistel: 1. Korinther 15,50-58

50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.

51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;

52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.

54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen in den Sieg.

55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«

56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.

57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

58 Darum, meine lieben Brüder und Schwestern, seid fest und unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, denn ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.


 

Evangelium: Lukas 24,13-35

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus.

14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.

15 Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.

18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk;

20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.

21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.

22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,

23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.

24 Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!

26 Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.

28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.

29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;

34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.

35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach.


 

Predigttext: Lukas 24,36-49

36 Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!

37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist.

38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?

39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.

40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße.

41 Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen?

42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor.

43 Und er nahm's und aß vor ihnen.

44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen.

45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden,

46 und sprach zu ihnen: So steht's geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage;

47 und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an

48 seid ihr dafür Zeugen.

49 Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.


 

Liebe Gemeinde!

Während der Ostersonntag sich mit der Auferstehung Jesu beschäftigt, mit den ersten Osterzeugen und dem Sieg des Lebens, geht der zweite Feiertag einen Schritt weiter: Wie es nämlich weitergeht mit Ostern, ob und wie sich Ostern in unseren Alltag einmischt. Es ist ein Alltag, der ziemlich aus den Fugen geraten ist und sich erst wieder neu sortieren muss. Persönliche Begegnungen, Besuche und Reisen fallen aus; um einen Überblick zu bekommen, ist man auf die Medien angewiesen, die auch nur eingeschränkt arbeiten können. Und auch die christliche Gemeinde ist im Moment kaum greifbar, es fehlt die Versammlung, der gemeinsame Gottesdienst, der Gedankenaustausch. Jeder geht scheinbar seiner eigenen Wege.

Nun - auch bei den Evangelisten ist nach Ostern von Gemeinsamkeit nicht mehr so viel zu spüren. Die Geschichte vom leeren Grab hat man noch gemeinsam, dann aber hat jeder seine eigenen Geschichten von Erscheinungen des Auferstandenen – bis auf Markus, der abrupt mit dem Erschrecken der Frauen am Grab schließt. Lukas geht dabei am Weitesten: nach der wunderbaren Emmausjünger-Geschichte folgt unser Predigttext, dann die Himmelfahrt und dann – noch ein ganzes Buch, die Apostelgeschichte, bis das Evangelium in Gestalt des kaiserlichen Gefangenen Paulus die Hauptstadt Rom erreicht. Wenn auch unser Lukas-Text das Evangelium anschaulich abrundet, ist er doch nur eine Zwischenstation auf dem Weg der Jesusbotschaft durch Zeit und Geschichte.

Von daher sind die Verse zwar wichtig, aber nur einer von vielen Hinweisen auf die Wirksamkeit dessen, was der Ostermorgen in Jerusalem in Bewegung brachte.

Ganz unvermittelt steht Jesus plötzlich zwischen den Jüngern. Klar, dass man dann erschrocken und verwirrt reagiert. Fragen, die wir ihm vielleicht gern stellen würden, haben die Jünger nicht, dazu sind sie wohl viel zu überrascht. Jedenfalls sagen die Jünger kein einziges Wort. Das bedeutet umgekehrt, dass von Anfang an der Auferstandene Jesus vollständig Herr der Situation ist. Er gibt seine Antworten auf Fragen, die noch gar nicht gestellt sind. „bist du es wirklich?“ „Wie sollen wir das verstehen?“ „Wie geht es weiter?“ „Was sollen wir tun?“

Schritt für Schritt führt der erste Teil heran an die Erkenntnis „Er ist es, er lebt.“ - keine Erscheinung, kein Geist. Dazu gehört – für uns eher befremdlich – dass er Hand und Fuß hat, Haut und Knochen, dass sie berührbar, begreifbar sind wie bei Thomas aus dem Johannesevangelium. So konkret und materiell ist dieser Jesus vorzustellen, dass er für alle sichtbar ein Stück Fisch zu sich nimmt. Was sich heute eher unrealistisch anhört, stand und steht im Dienst des Glaubens. Auferstehung ist mehr als Vergegenwärtigung schöner Erinnerungen, mehr als eine spirituelle Erleuchtung. Sie hat eine bestimmte Wirklichkeit, indem sie ganz real wirkt, Auswirkungen hat. Und sein Bemühen, den verschreckten Jüngern sein „ich bin's selber“ nahezubringen, erinnert er viermal an die Zeiten, die sie zusammen verbracht haben. Da ist die Friedensbotschaft, der „Schalom“, der wohl mehr war der übliche jüdische Gruß, weil er, so stelle ich es mir vor, mit dem Wort auch die Gegenwart es gesagten brachte. Bis in die Anreden der Briefe ist diese Nachwirkung zu spüren.

Auch Situationen des Erschreckens der Jünger kennt man, folgend auf Wunderheilungen, erstaunliche Reden oder Begegnungen wie beim Wandel über das Wasser. Jedesmal löst das „ich bin's“ die Spannung und stärkt das Vertrauen. Zur Gemeinschaft mit Jesus gehörten auch die Gastmähler, bis hin zum letzten Abendmahl. Hier wie auch in Johannes Kap. 21 isst Jesus weiterhin mit seinen Jüngern.

Und schließlich nimmt Jesus auf seine vorösterlichen Worte Bezug. In ihm erfüllen sich Erwartungen und Prophezeiungen aus der Schrift, sein Schicksal war ihm dort vorgezeichnet. Seine Botschaft ist tief im Alten Testament verankert und für jeden nachlesbar.

An dieser Stelle löst sich der Abschnitt von der Frage, ob es Jesus ist, der den Jüngern hier erscheint, und wendet sich der Zukunft zu, die sich von den alten Schriften der jüdischen Überlieferung her eröffnet. Wenn man so will, hält Jesus mit ihnen eine Bibelstunde, „so dass sie die Schrift verstanden.“ Dies ist die Voraussetzung für alles weitere. An der Schrift das Alten Testaments vorbei gibt es kein Christsein. Immer wieder wird auch in der folgenden Apostelgeschichte um das Verstehen der Hebräischen Bibel gerungen und gestritten. Dabei setzt der lukanische Verfasser natürlich das Christusbekenntnis voraus. So, wie der Weg des Christus beschrieben wird, ist es gleichzeitig die Zusammenfassung seines Evangeliums und der anschließenden Apostelgeschichte:dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern.“

Jetzt endlich kommen die Jünger mit hinein: Die Botschaft braucht Boten, Menschen, die sich ins Spiel bringen, womöglich sogar aufs Spiel setzen: „Seid dafür meine Zeugen.“ Die Anweisungen sind kurz und präzise: In Jerusalem zu bleiben, „bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe“. Das heißt, ganz nahe bleiben an den schrecklichen und verwirrend-mutmachenden Erfahrungen bei Jesus, nahe auch denen, die ihm und seinen Nachfolgern nach dem Leben trachteten. Noch nichts eigenmächtig beginnen, sondern ausharren, den richtigen Zeitpunkt abwarten, Die Enge wird weit werden, die ganze Welt der Bewegung der Christen offenstehen.

Es würde noch ein langer Weg werden, aber ein Anfang war gemacht. Und immer wieder gehen Christen, um sich ihres Glaubens zu vergewissern, an diesen Anfang zurück. Jeder und jede von uns ist berufen, Glaubens- und Osterzeuge zu sein.


Lassen wir uns dazu ermutigen mit dem Lied „Sonne der Gerechtigkeit“ (EG 262)

1. Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit: brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr!

4. Tu der Völker Türen auf, deines Himmelreiches Lauf, hemme keine List noch Macht, schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr!

5. Gib den Boten Kraft und Mut, Glaubenshoffung, Liebesglut, und lass reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen sä'n. Erbarm dich, Herr!