Gottesdienst am 13. Mai 2021 – Christi Himmelfahrt

Epistel: Apostelgeschichte 1,3-11

 

3 Jesu zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern
zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit
wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

 

 

Evangelium: Lukas 24,50-53

 

50 Jesus führte seine Jünger hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. 51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. 52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude 53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

 

 

Predigttext: Epheser 1,15-23

 

15 Darum, nachdem auch ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, 16 höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, 17 dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. 18 Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist 19 und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns ist, die wir glauben durch die Wirkung seiner mächtigen Stärke. 20 Mit ihr hat er an Christus gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt hat und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel 21 über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. 22 Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, 23 welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

 

Liebe Gemeinde!

 

Wie eine Wolke wohlklingender Worte ist unser Predigttext. Der Gemeinde der Christen in Ephesus wird ein roter Teppich ausgerollt, auf dem sie sich ihren Zeitgenossen präsentieren kann. Und sie kann sich präsentieren. Keine Klage über Bedeutungsverlust und Traditionsabbruch, über mangelnde Beteiligung. Keine Forderungen nach Veränderung, nach Reformen, nach Effizienz. Es wird gewürdigt und gelobt, was in den Jahren nach der Gemeindegründung, als Paulus mehrmals zu Gast war und vermutlich dort den Römerbrief schrieb, entstanden ist: Eine Gemeinde, in der Glaube und Liebe zu spüren ist, Glaube an Jesus Christus und Liebe zu allen Heiligen, das heißt zu den Mitchristen in der Nähe und in der Ferne. Eine Gemeinde, die nicht sich selbst genügt, sondern ihre Beziehungen pflegt, zu Gott und zu den Menschen, und die dadurch beträchtliche Außenwirkung hat. Der Verfasser des Epheserbriefes, wahrscheinlich ein Paulusschüler der zweiten Generation, will der Gemeinde auch keine Ratschläge auf den Weg geben, sondern Lob und Dank, einmündend in sein Gebet, seine Fürbitte für die Gemeinde. Es ist ein Gebet, das in die Tiefe des Glaubens geht, um die Erkenntnis Gottes bittet und den Geist der Weisheit und Offenbarung. Man reibt sich die Augen: Das alles wird dieser Gemeinde von Ephesus zugetraut! Sie lebt in einer Stadt, deren Größe und Bedeutung man heute noch in Stein gemeißelt besichtigen kann, Ort eines der sieben Weltwunder, des Artemis-Tempels, ausgestattet mit Theater, Bibliothek, allem denkbaren Komfort und einer Menge Tempel. Gegen diese geballte Pracht werden die Christen kaum angekommen sein – es sei denn allein mit Worten und mit einem anderen Blick auf die Wirklichkeit. So wünscht der Briefschreiber ihnen „erleuchtete Augen des Herzens“, um zu einer ganz neuen Sichtweise vorzudringen: nicht mehr von den Mängeln her die Welt zu betrachten, sondern die in ihr liegenden, manchmal unglaublichen Möglichkeiten wahrzunehmen: Erkennen sollt ihr, „zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist 19 und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns ist, die wir glauben durch die Wirkung seiner mächtigen Stärke.“ Wenn etwas erstaunt an diesem Epheserbrief, dann ist es diese Intensität des Gebets, die Strahlkraft der Worte, das Vertrauen auf die weltverändernde Kraft des Glaubens. Eine Klage über die kleine, schwache Gemeinde hat hier keinen Platz, wenn doch das gewaltigste Ereignis der Kraft Gottes beschworen wird: Christus wurde „von den Toten auferweckt ... und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel“. Wir merken: es ist fast der Wortlaut unseres Glaubensbekenntnisses, nur das „aufgefahren in den Himmel“ fehlt hier, es scheint aber auch nebensächlich, auf welche Weise der Auferstandene dorthin kam, „sitzend zur Rechten Gottes“. Entscheidend ist, dass er dort bleibt, bleibende Bedeutung für unseren Glauben hat, dass sein Wirken weiterhin bis auf die Erde reicht. Er nimmt – in der Vorstellungswelt des Epheserbriefes – diese Machtposition ein, in äußerster Nähe zu Gott, um der Gemeinde willen. Ihre scheinbare Macht- und Bedeutungslosigkeit verschwindet, wenn man sie, die bloße Existenz der Gemeinde, als das Werk Gottes ansieht, als die Verlängerung der schöpferischen Macht Gottes, die schon die Auferstehung bewirkte. Es fällt auf, in welcher Häufung von Ausdrücken wie Kraft, Stärke, Macht, Durchsetzungsvermögen er ein überlegenes, siegreiches Wirken beschreibt. Der erhöhte Christus hat alle Feinde überwunden, seine Vollmacht ist unangefochten, er regiert in Weisheit, und nichts kann ihm seine Herrschaft streitig machen. Und weil er alles in Gegenwart und Zukunft bestimmt, wird er auch speziell das Haupt der Gemeinde, die als Leib Christi seine Botschaft verkörpert, die ganze Fülle seines Wirkens.

Die alles ist natürlich Lob und Bekenntnis zugleich, keine nüchterne Beschreibung der Realität, sondern eine überschwängliche Schilderung einer ganz anderen Wirklichkeit, nämlich der Gott wirkt, an deren Ver-Wirklichung im Gang ist. Das zu sehen, das zu glauben, verlangt einen besonderen Blick, der ins Gelingen verliebt ist, der die Zeichen positiver Veränderungen erwartet und wahrnimmt, der – und wenn es auch naiv klingt – vom Guten im Menschen ausgeht und in jedem Fall von der Güte Gottes. Es ist ein Blick in Liebe auf die Christen, die sich von der Hoffnung leiten lassen, und nicht von Angst und Resignation, von einer Hoffnung, derer Grund und Wahrzeichen Christus ist, der Auferstandene, ganz und gar in die Nähe Gottes gerückt und darum Haupt und Anführer der manchmal doch kopflos wirkenden Christen.