Gottesdienst am 14. Juni 2020 – erster Sonntag nach Trinitatis

Von den Pflanzen des Bibelgartens ist diesmal der Granatapfel ausgewählt. Ursprünglich aus Asien, Nordindien und dem Iran stammend, war er in Palästina heimisch, wohl vor allem in Gärten. Er zählt zu den sieben Früchten, die die Israeliten im gelobten Land vorfanden.

Einige Informationen über den Granatapfel sind hier zusammengefasst:

Der Prophet Haggai erwähnt den Granatapfelbaum als Hinweis auf Gottes Segen, den er mit dem Wiederaufbau des Tempels den Israeliten geben wird:

 

Aus dem Propheten Haggai, 2,15-19


15 Doch achtet nun darauf, was von diesem Tage an geschieht! Bevor ein Stein auf den andern gelegt wurde am Tempel des Herrn, war es so:

16 Kam einer zum Kornhaufen, der zwanzig Maß haben sollte, so waren kaum zehn da; kam er zur Kelter und meinte, fünfzig Eimer zu schöpfen, so waren kaum zwanzig da.

17 Ich schlug euch mit Dürre, Getreidebrand und Hagel in all eurer Arbeit; doch keiner von euch hat sich zu mir bekehrt, spricht der Herr.

18 Achtet doch darauf, was von diesem Tage an geschieht – vom vierundzwanzigsten Tage des neunten Monats an –, nämlich von dem Tag an, da der Tempel des Herrn gegründet wurde! Achtet darauf:

19 Noch liegt das Saatgut in der Scheune, noch haben Weinstock, Feigenbaum, Granatapfel und Ölbaum nicht getragen; aber von diesem Tage an will ich Segen geben.

 

Liebe Gemeinde!

Die Worte sind angesichts eines Trümmerhaufens gesprochen. Das Exil ist inzwischen zuende, viele der Rückkehrer aus Babylonien haben sich ein bescheidene Existenz aufgebaut, ihre Häuser instandgesetzt oder neu errichtet. Nur am Tempel, den einst Salomo erbaut hatte, war es über klägliche Wiederaufbaupläne nicht hinausgekommen. Achtzehn Jahre waren vergangen, doch es fehlte der Mut. War es die Größe der Aufgabe? Immerhin hatte Salomos Tempelbau sieben Jahre lang die besten Handwerke beschäftigt, und hinter deren Arbeit wollte man nicht zurückstehen. Oder war es die Angst, den Widerstand der persischen Machthaber und den Neid der umliegenden Völker zu wecken, die ja ganz andere Götter verehrten? War es Müdigkeit angesichts der zahllosen Sorgen des Alltags? Wie es schien, war sogar die Natur ermüdet. Eine Dürre hatte das Land heimgesucht. Die Felder und Weinberge gaben kaum die Hälfte des erwarteten Ertrags.

Der Prophet Haggai glaubte, die Ursache zu kennen: Solange ihr nichts für Gott tut, wird er auch nichts für euch tun; sprich: solange der Tempel als Ruine daliegt, liegt auch kein Segen auf euren übrigen Anstrengungen. Es scheint eine fast zu simple Logik, aber vielleicht stimmt ja doch: Wenn wir etwas von Gott wollen, müssen wir uns auch nach Kräften selbst dafür einsetzen.

Durch Haggai kennen wir genau die Zeit, zu der mit dem Bau des zweiten Tempels begonnen wurde: Es war der Herbst des Jahres 520 vor Christus. Über dreieinhalb Monate hat der Prophet sie angefeuert mit seiner Vision vom neu erbauten Tempel, hat ihnen ins Gewissen geredet wegen ihrer Versäumnisse, hat auch den Statthalter Serubbabel und den Hohepriester Josua in die Pflicht genommen – mit Erfolg! Viereinhalb Jahre später nur war das Werk vollendet, und der Tempel wurde wieder Mittelpunkt des religiösen Lebens.

Und wie der Tempelbau wuchs, so sollte auch Fruchtbarkeit und Segen auf die Felder zurückkehren: Das in den Scheunen gelagerte Getreide kann ausgesät werden, denn der Boden hat wieder Feuchtigkeit . Die Fruchtbäume und -stauden tragen wieder Frucht: Weinstock, Feigenbaum, Granatapfel- und Ölbaum sind wieder hineingenommen in den Kreislauf des Wachsens, Blühens und Erntens. Ihre Früchte nähren und erfreuen uns. Alle sind uralte Nutzpflanzen, die auch einmal Dürre überdauern – sie halten aus, wie es Gott mit uns aushält. Den Israeliten verspricht er von da an andauernden Segen – nicht erst mit der Vollendung, sondern schon im Anfang, wenn Stein auf Stein aufeinander geschichtet werden. Gott weiß, wie sehr wir in vielem Anfänger sind, und segnet schon den Beginn, den Mut des ersten Schrittes. Nur ein wenig Achtsamkeit braucht es, um den Segen auch zu spüren.