Gottesdienst am 17. Januar 2021 – Zweiter Sonntag nach Epiphanias

Epistel: 1. Korinther 2,1-10
 

1 Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. 2 Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten. 3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; 4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, 5 auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

6 Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. 7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« 10 Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.

 

Evangelium, zugleich Predigttext: Johannes 2,1-11
 

1 Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. 2 Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.

3 Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4 Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. 6 Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. 7 Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. 8 Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. 9 Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.

11 Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

 

Liebe Gemeinde,

wenn heute ein Brautpaar eine Trauung anmeldet, ist es oft schon seit Wochen mit den Vorbereitungen beschäftigt. Ein ganzes Ringbuch bringt es mit, darin Checklisten, was bis wann geklärt werden muss. Es soll nichts dem Zufall überlassen bleiben. Oft bestimmt das Lokal den Termin, an dem gefeiert werden soll. Die Menüfolge ist schon lange festgelegt, häufig mit einem Probeessen verbunden, und die jeweils passenden Weine dazu ausgewählt. Musiker, Blumen, Brautkleid, Hochzeitsauto, Fotograf, Einladungsschreiben und Sitzordnung – irgendwann ist alles geregelt, der Festtag kann kommen.

Wir wissen nicht, ob zur Zeit Jesu Hochzeiten auch schon so aufwendig gefeiert wurden. Im Johannesevangelium jedenfalls beginnt die Wirksamkeit Jesu mit der wunderbaren Hochzeit in dem Dorf Kana in Galiäa. Seine Mutter war eingeladen, ebenso Jesus und seine Jünger – folgt man dem Evangelium, waren es Andreas, sein Bruder Simon Petrus, Philippus und Nathanael, der aus Kana stammte, dazu ein weiterer Jünger des Johannes. Noch kein großer Menschenauflauf um Jesus; er bleibt hier ganz am Rand des Geschehens. Dafür wird wohl das ganze Dorf auf den Beinen gewesen sein. Und mittendrin, als das Fest im schönsten Gang ist, geschieht das unverzeihliche: Der Wein geht aus. Die Mutter Jesu – ihr Name wird im Johannes-Evangelium nie genannt – spricht aus, was sich vielleicht schon wie ein Gerücht durch die Menge der Gäste verbreitete: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Man kann sich vorstellen, dass dies – laut ausgesprochen – der rauschhaften Stimmung einen kräftigen Dämpfer versetzen würde. Wie peinlich! Und gar nicht auf die Schnelle zu beheben. Wir Heutigen wüssten gerne mehr über die Hintergründe dieser Feier. Wer waren „Sie“, was war das für ein Brautpaar, hatten sie ihr Fest schlampig vorbereitet, nicht genügend vorgesorgt, die Zahl der Gäste unterschätzt, oder konnten sie sich schlicht nicht mehr leisten?

Was soll man jetzt tun? Jesus reagiert nicht auf die versteckte Aufforderung seiner Mutter, er weist sie ab, er fühlt sich nicht zuständig – schließlich ist er Gast, wie alle anderen. Nur eine Bemerkung lässt aufhorchen: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ – von diesem Jesus ist mehr zu erwarten, man sollte ihn im Auge behalten. Seine Mutter aber lässt sich nicht beirren. Vielleicht ahnt sie, dass etwas passieren könnte, ohne zu wissen, was genau. Jedenfalls sollen die Diener auf ihn hören: „Was er euch sagt, das tut.“ Man muss hier nicht an fürstliche Diener im Livree denken, an einen hochgestellten Haushalt. Es können genauso einfach Leute aus dem Dorf gewesen sein, die immer bei großen Festen mitgeholfen haben. Die steinernen Wasserkrüge, aus denen sich die Leute vor und nach dem Essen die Hände wuschen, geraten jetzt in den Blick. Auf Jesu Aufforderung hin werden sie bis oben gefüllt. Und als daraus für den Speisemeister eine Probe gebracht wird, ist es bester Wein, der anerkennend gelobt wird.

Wer bis hierher der Geschichte gefolgt ist, wird sich am Ende wohl fragen: Was ist der Sinn dieses Wunders, das nur das Johannesevangelium beschreibt. Wie kommt es dazu? Es gibt kein Wort Jesu, das das Geschehen ankündigt oder deutet. Es wird nur als Tatsache festgehalten: Wasser ist jetzt Wein. Und genauso, wie nur wenige über den ausgehenden Wein Bescheid wussten, kennen auch nur einzelne die Herkunft des neu aufgetauchten Getränks. Kein Raunen der Menge, keine Beifallsstürme, keine Einwände der Kritiker. Die große Mehrzahl hat wohl gar nichts bemerkt, es kann weitergefeiert werden, als wäre nichts geschehen. Es bleibt ein nach außen hin ganz stilles Wunder, keine spektakuläre Machtdemonstration.

Weil diese Geschichte noch am Beginn des Evangeliums steht, setzt sie mit den Rahmen, in dem die Gestalt Jesu zu betrachten ist. „Kommt und seht“, hat er zuvor seinen Jüngern zugerufen, und versprochen: „Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und hinabfahren über dem Menschensohn.“ Nun geht es in der Geschichte zunächst einmal recht irdisch zu, es fehlt auf einmal Wein. Es ist noch nicht das große Freudenfest, das man sich im Himmel vorstellen mag, aber ein Vorgeschmack darauf. Die Bemerkung von der „Stunde“, die noch nicht gekommen ist, verweist auf die Momente der Entscheidung und des Leidens, durch die hindurch sich Jesus offenbart. Dennoch scheint schon ein wenig österlicher Glanz in die Szenerie: denn das Kommen des Messias wird häufig mit dem Kommen des Bräutigams, mit einer feierlichen Hochzeit verglichen. Gerade weil die Geschichte in Bezug auf das Brautpaar nicht konkret wird, bleibt diese Leerstelle für die Deutung offen. Und die Menge des Weins – es passen in einen Krug fast 40 Liter – kann auf eine überwältigende, verschwenderische Fülle hindeuten, die mit Gottes Reich und Herrschaft verbunden ist, kann einladen, diesem Gott und seinem Gesandten Jesus zu vertrauen: „Was er sagt, das tut.“ Und weil das Evangelium für Christen geschrieben ist, und es sicher immer wieder von Neuem gelesen wurde, wird wohl auch auffallen, was später vom dritten Tag, nämlich nach der Grablegung berichtet ist: In der Auferstehung Jesu hat die Heilszeit begonnen, und durch die Worte und Taten Jesu wird man Teil seiner Geschichte. Als „Zeichen“ ist diese Geschichte aufgeschrieben, und für den, der die Zeichen erkennen kann, führt das „kommt und seht“ immer tiefer hinein in den Glauben an ihn.