Gottesdienst am 18. Juli 2021 – Siebter Sonntag nach Trinitatis

Epistel: Apostelgeschichte 2,41-47


42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.


Evangelium: Johannes 6, 1-15


1 Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. 2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.

5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? 6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme. 8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: 9 Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? 10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. 11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. 12 Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. 13 Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.

14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.

 

Predigttext: 1. Könige 17,1-16


1 Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn. 2 Da kam das Wort des Herrn zu ihm: 3 Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 4 Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. 5 Er aber ging hin und tat nach dem Wort des Herrn und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 6 Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach. 7 Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande. 8 Da kam das Wort des Herrn zu ihm: 9 Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge.

10 Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! 11 Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit! 12 Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will’s mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben. 13 Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. 14 Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden. 15 Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. 16 Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch Elia.


Liebe Gemeinde!


Ganz unvermittelt tritt Elia auf, in der Bibel, im 1. Buch der Könige. Allein sein Herkunftsort wird genannt, Tischbe im Ostjordanland. Man weiß nichts über sein Vorleben, seinen Charakter. Einen Moment nur steht er vor Ahab, dem König Israels. Und gleich das erste Wort ist ein Machtwort: „So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.“ Es steht am Beginn einer dreijährigen Dürre, genauso wie heute mit katastrophalen Auswirkungen. Das Getreide wird dürr, Brunnen versiegen, das Gras verdorrt und das Vieh verdurstet. Besorgt bis tief verzweifelt richtet sich der Blick zum Himmel. Ein ganzes Volk gerät in Not, und auch Elia ist davon nicht ausgenommen. Es wäre eigentlich eine furchterregende Vorstellung, wenn religiöse Fanatiker auch noch das Wetter manipulieren könnten – schließlich haben wir schon genug andere Probleme, die mit dem Wetter und dem Klima zusammenhängen. Aber – und das ist in der Geschichte immer deutlich – es geschieht alles mit Gottes Einwilligung und mit einem Wort, mächtig wie das Wort des Schöpfers. Wie jeder Prophet hat Elia keine Wahl, er ist – ganz auf sich allein gestellt – derjenige, der Gottes Willen den Menschen überbringen muss. Sein Name ist sein Programm: „Eli-Jah“, Gott ist der HERR, Gott allein. Und hinter dieser kleinen, harmlosen Geschichte, wie Elia unbeschadet durch die Dürrejahre kommt, steckt gleichzeitig eine Geschichte vom Machtkampf zwischen Menschen und zwischen Göttern.

Zunächst einmal erlebt Elia, wie sein Leben zweifach gerettet wird. Am Anfang der Dürre gibt es wohl noch wasserführende Bäche im Ostjordanland, wo er sich vor der Verfolgung durch König Ahab in Sicherheit bringt. Zu trinken gibt es, und – fast wie im Märchen – sorgen Raben für ausreichendes Essen. Elia findet sich in einem angstfreien Schwebezustand, allein mit Gott und seinen gefiederten Boten, ohne einen konkreten Auftrag oder ein konkretes Ziel. Das ändert sich, als die Dürre sich verschärft. Nun vertrocknet auch der Bach, die Raben werden zu entlegenen Wasserstellen geflogen sein, und Elia soll sich erneut auf den Weg machen, ins heidnische Küstengebiet zwischen den Städten Sidon und Tyrus. Ausgerechnet eine Witwe, die auch noch für ihren Sohn aufkommen muss, soll Elia nun versorgen. Er trifft sie beim Holzsammeln, um mit dem letzten noch verbliebenen Vorrat an Mehl und Öl ein letztes Mahl zu kochen und dann zu sterben. Elias gebieterisches Wort nun zwingt sie, für ihn, den Fremden, von diesen kostbaren Vorräten noch etwas für ihn zu backen und ihm zu trinken zu geben, bevor sie den Rest aufbrauchen. Es braucht schon sehr viel Gottvertrauen, um dabei noch den prophetischen Worten Glauben zu schenken: „Fürchte dich nicht!“. Aber dazu hat Elia noch eine göttliche Verheißung nachzurufen: „Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden.“ So geschieht es, und mehr noch, als der Sohn krank wird und stirbt, kann Elia ihn wieder ins Leben zurückrufen. So wird nicht nur Elia vor den Folgen der Dürre bewahrt, sondern auch die Witwe findet im lebensrettenden Glauben Hilfe und Halt: „Nun erkenne ich, dass du ein Mann Gottes bist, und des HERRN Wort in deinem Munde ist Wahrheit“.

Mit diesem missionarischen Erfolg ist nun Elia ganz weit von seiner Aufgabe als Prophet in Israel. König Ahab tut, was er für klug hält: Seine Macht zu vergrößern. Voller Empörung überliefert die Chronik der Könige von Israel: „Er tat, was dem Herrn missfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren.“ Nach außen hin ist es kluge Heiratspolitik, dass er die Tochter des Königs von Sidon, Isebel, zur Frau genommen hat, eine politische Rückversicherung in angespannten Zeiten. Aber mit ihr sind auch ihre Götter gekommen und haben sich in Samaria, der Hauptstadt, etabliert, allen voran Baal, Stadtgott von Tyros, Blitzeschleuderer und Wettergott. Elias Ankündigung der Trockenheit weist zunächst den machtbewussten König und seine Gattin in die Schranken: Es gibt Dinge, die nicht in deiner Macht liegen. Und dann wird die Frage nach Dürre oder Regen zu einer Frage, welchem Gott man vertraut. Denn die Propheten des Gottes Israels werden inzwischen verfolgt und versteckt, und die Priester Baals, mindestens vierhundertfünfzig, treten ungehindert auf. Das Überleben des Elia im ausländischen Exil ist erst die Voraussetzung, die erste Runde im Ringen um einen Ein-Gott-Glauben in Israels, getreu dem ersten Gebot: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Die zweite Runde, wieder mit einer persönlichen Begegnung beginnend, ist das Kräftemessen der Baalspriester und Elias um ein Opfer, das die Dürre beendet und Regen bringt. Das Gottesurteil auf dem Karmel geht zu Gunsten Elias aus, die unterlegenen Baalspriester werden getötet. Daraufhin flieht Elia nach Süden in die Wüste, wo ihm Gott am Horeb begegnet. Keine dieser frühen Prophetengeschichten steht für sich selbst, jede trägt ihre Fortsetzung schon in sich. Sie haben eine politische Dimension – schon in der nächsten Generation endet die Herrschaft der Familie Ahabs durch einen Militärputsch, der Gott Israels wird wieder an erste Stelle gesetzt. Gleichzeitig ringt man um den Glauben an den einen Gott, der in guten und schlechten Zeiten die Geschicke lenkt. Und auch da ist unser Predigttext von den Speisungen Elias wichtig und tröstlich: denn auch in der Not weiß Gott Wege, das Leben zu erhalten, wenn wir ihm vertrauen und treu bleiben.