Gottesdienst am 25. Juli 2021 – Achter Sonntag nach Trinitatis

Epistel: Epheser 5,8b-14

8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts;
9  die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 10 Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, 11 und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. 12 Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. 13 Das alles aber wird offenbar, wenn’s vom Licht aufgedeckt wird; 14 denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Evangelium: Matthäus 5,13-16

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.  16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Predigttext: 1. Korinther 6,9-14.19-20 (Luther 2017)

9 Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder 10 noch Diebe noch Habgierige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben. 11Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. 13 Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichtemachen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. 14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.

19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe

Predigttext: 1. Korinther 6,9-14.19-20 (Neue Genfer Übersetzung)

9 Muss ich euch daran erinnern, dass die, die Unrecht tun, keinen Anteil am Reich Gottes bekommen werden, dem Erbe, das Gott für uns bereithält? Macht euch nichts vor: Keiner, der ein unmoralisches Leben führt, Götzen anbetet, die Ehe bricht, homosexuelle Beziehungen eingeht, 10 stiehlt, geldgierig ist, trinkt, Verleumdungen verbreitet oder andere beraubt, wird an Gottes Reich teilhaben.
11 Auch ihr gehörtet zu denen, die so leben und sich so verhalten – zumindest einige von euch. Aber das ist Vergangenheit. Der Schmutz eurer Verfehlungen ist von euch abgewaschen, ihr gehört jetzt zu Gottes heiligem Volk, ihr seid von aller Schuld freigesprochen, und zwar durch den Namen von Jesus Christus, dem Herrn, und durch den Geist unseres Gottes.
12 »Alles ist mir erlaubt!« ´Wer so redet, dem antworte ich:` Aber nicht alles, ´was mir erlaubt ist,` ist auch gut ´für mich und für andere`. – »Alles ist mir erlaubt!« Aber es darf nicht dahin kommen, dass ich mich von irgendetwas beherrschen lasse.
13 ´Ihr sagt:` »Das Essen ist für den Magen da und der Magen für das Essen, und dem einen wie dem anderen wird Gott ein Ende bereiten.« ´Einverstanden,` aber ´das heißt noch lange nicht, dass wir mit unserem Körper machen können, was wir wollen`. Der Körper ist nicht für die Unmoral da, sondern für den Herrn, und der Herr ist für den Körper da ´und hat das Recht, über ihn zu verfügen`. 14 Und genauso, wie Gott den Herrn von den Toten auferweckt hat, wird er durch seine Macht auch uns vom Tod auferwecken ´und unseren Körper wieder lebendig machen`.
19 Habt ihr denn vergessen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist? Der Geist, den Gott euch gegeben hat, wohnt in euch, und ihr gehört nicht mehr euch selbst. 20 Gott hat euch als sein Eigentum erworben; denkt an den Preis, den er dafür gezahlt hat! Darum geht mit eurem Körper so um, dass es Gott Ehre macht!

Liebe Gemeinde!

Eigentlich sagt man ja immer, dass Petrus vor der Himmelstür steht und entscheidet, wem er Einlass gewährt. Hier aber scheint Paulus zu sein, der wie ein Türsteher sagt: Du kommst hinein – und du nicht. Und die Versuchung ist groß, sich gleich selbst mit dazu zu stellen und Urteile über andere abzugeben. Da ist die „böse Welt“ da draußen, wo es drunter und drüber geht. Auch davon wusste Paulus. „Ich habe euch geschrieben, dass ihr nichts zu schaffen haben sollt mit den Unzüchtigen. Damit meine ich nicht die Unzüchtigen oder die Geizigen oder Räuber oder Götzendiener überhaupt; sonst müsstet ihr ja aus der Welt auswandern.“ Paulus startet also keine Offensive zur moralischen Erneuerung der Welt, sondern es geht ihm um das Innenleben  der Christengemeinde in Korinth. Was fördert, was stärkt das Zusammenleben? Und wie ist mit Konflikten umzugehen? Erster Diskussionspunkt ist ein Mitglied der Gemeinde, das mit der Ehefrau des Vaters zusammenlebt. Was vom römischen Recht vielleicht noch denkbar wäre, ist nach jüdischem Verständnis ganz und gar ausgeschlossen. Und dann fangen die Gemeindeglieder noch an, Prozesse gegeneinander zu führen vor weltlichen Gerichten, mit heidnischen Richtern, die überhaupt nichts vom Glauben verstehen. Je länger man Paulus hier folgt, um so mehr scheint es, als ob er sich in Rage schreibt.  Ganz klar will er unterscheiden, wer sich ins Unrecht setzt durch seinen Lebenswandel. Es ist ein bunter Katalog von Verfehlungen, die Treue, Umgang mit Macht, Besitz und mit der Sexualität betreffen. Vielleicht gab es für fromme Juden schon solche Auflistungen von Sünden, von denen man sich fern zu halten habe. Darin begegnet man mit den stärksten Triebkräften für menschliches Verhalten, bis Paulus dann im Kapitel 13 zur Liebe kommt. Es ehrt ihn zunächst, dass er diesen schwierigen Themen nicht ausweicht und alles auf eine rein spirituelle Ebene hebt. Nein, der Leib hat in unserem Leben ein gehöriges Wort mitzusprechen, bis dahin, dass heute Diskussionen über die politisch „richtige“ Ernährung geführt.werden. Und es ging und geht um konkrete Menschen, die Teil der Gemeinde sind – ob man um ihr Vorleben und ihr Wesen weiß oder nicht. Auch darum muss man sich davor hüten, seine Urteile einfach unbesehen zu übernehmen, und vorsichtig und differenziert urteilen. Götzendiener – da steht das erste Gebot dagegen. Einiges, was genannt ist, ist auch nach heutigem Recht strafbar. Diebstahl, Raub, Verleumdung und üble Nachrede findet man in den Geboten sieben bis zehn angesprochen. Auch Habgier fällt hier darunter – die weithin als Motor unseres Wirtschaftssystems angesehen wird nicht als etwas, was uns vom Reich Gottes trennt. Schwieriger ist es schon mit dem Alkoholismus – zu Recht wird er als behandlungsbedürftige Krankheit angesehen und nicht als Charakterschwäche – und ebenso alle anderen Suchterkrankungen. Kompliziert wird es auf dem Feld der Sexualität, als einer lebensbestimmenden Kraft. Heute weiß man, dass sexuelle Minderheiten eine innere Veranlagung haben, die nicht dem Willen gehorcht. Und gleichzeitig wird skandalöser sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen aufgedeckt – innerhalb der Kirche. Die Einschätzung homosexueller Beziehungen brachte heftige Konflikte, die sich Gott sei Dank langsam klären, indem der Staat neue Rahmenbedingungen geschaffen hat. Paulus wirft hier alles in einen Topf: Unzüchtige, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, am Ende noch die Prostitution. Ein Maßstab in der Beurteilung könnte sein: Wo ist ein Machtgefälle spürbar, das einer Begegnung von gleichberechtigten Menschen entgegensteht? Die damalige Gesellschaft war patriarchalisch geprägt, der Herr des Hauses konnte bestimmen, ob er neben der Ehe weitere Beziehungen unterhielt, auch zu Prostituierten oder, nach römischer Sitte, jungen Männern, ohne dass ihm große Konsequenzen drohten. Die Frauen dagegen, die fast gar nicht erwähnt werden – mit Ausnahme der Prostituierten – hatten für ihren Lebensentwurf keine große Wahl, noch weniger die Sklaven. Vielleicht ging es Paulus um gute, von Freiwilligkeit, Fürsorge und Verantwortung geprägte Beziehungen, die die Gemeinde prägen sollten, bis hinein in den Bereich des Sexuellen.
Was lässt Menschen aufeinander vertrauen? Was lässt die zusammenhalten und Verantwortung übernehmen, wenn sie nicht mehr voneinander abhängig sind? Dies sind ganz heutige Fragen, mit denen Paulus sich herumschlug. „Alles ist mir erlaubt“ – so schallte es wohl Paulus entgegen, und er erwidert: „aber nicht alles dient zum Guten.“ „Alles ist mir erlaubt“ – „aber es soll dich nichts gefangen nehmen.“ Verurteilung und Ausgrenzung wirkt Paulus entgegen, indem er auf den gemeinsamen Neuanfang in der Taufe verweist: Ihr alle „seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist.“ Das ist die gemeinsame Grundlage, auf der man sich begegnet und beurteilt – oder eben nicht beurteilt, weil das letzte Urteil von Gott gesprochen wird. Es stimmt auch nicht, dass unser Leib mit seinen Bedürfnissen – Nahrung und auch sexuelle Begegnung – ganz das Leben bestimmt. „Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind?“ Diese spiritueller Dimension überschreitet die Grenze des einzelnen Körpers – Christinnen und Christen ergänzen sich in ihren Gaben wie die Organe im Körper, Christinnen und Christen bilden miteinander den Leib des auferstandenen Christus ab, Christinnen und Christen sind miteinander und für sich „ein Tempel des Heiligen Geistes“. Dieser Geist will sorgsam behandelt und bewahrt sein, weil durch ihn ein geschützter Raum der Freiheit entsteht. Dieser Raum der Begegnung und des Respekts vor der Unterschiedlichkeit betrifft nun nicht nur den Verstand, die Gefühle, die Seele oder die spirituelle Seite unseres Seins, sondern ausdrücklich auch den Körper, so zwiespältig das Verhältnis manchmal auch sein mag, so viel wir an ihm auszusetzen haben. Denn nur aus ihm, durch ihn hindurch kann Lob Gottes entstehen und laut werden, im Wort und im Gesang: „Ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.“