Gottesdienst am 31. Januar 2021- Letzter Sonntag nach Epiphanias

Epistel: 2. Korinther 4,6-10

 

6 Gott, der da sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass die Erleuchtung entstünde zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

7 Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. 8 Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. 9 Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. 10 Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

 

 

Evanglium: Matthäus 17,1-9

 

1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

 

 

Predigttext: 2. Petrus 1,16-19

 

16 Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. 17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. 18 Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.

19 Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

 

Liebe Gemeinde!

 

Ob es auch stimmt? Diese Frage, diese Angst möchte der Verfasser des 2. Petrusbriefs den Menschen nehmen. Sie ist aktuell wie nie zuvor. Welche Beweise haben wir für das, was wir hören, was wir glauben oder glauben sollen. Misstrauen hat sich in unsere alltäglichen Gespräche eingeschlichen, Fake-News und Gerüchte verbreiten sich, und selbst von kirchlichen Mitarbeitern habe ich schon gehört: „Man kann heute nicht mehr offen sagen, was man denkt...“ So vielfältig sind heute die Informationsquellen, so schwer zu bewerten, woran man sich halten kann, dass manche auch schon aufgeben und gar nichts mehr hören wollen.

Dem möchte der 2. Petrusbrief mit festen Überzeugungen entgegentreten. Der unbekannte Verfasser leiht sich den Namen des Petrus, um an die glorreichen Zeiten der Jünger Jesu anzuknüpfen. Wahrscheinlich ist sein Brief eine Predigt, so wir heutige Pfarrerinnen und Pfarrer es auch tun, versucht er Mut zu machen und seine Zeit zu deuten. „Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharfgeschliffnen Waffen der ersten Christenheit.“ heißt es im Lied: „O komm, du Geist der Wahrheit“. Und für die Wahrheit wird gestritten, ob der Glaube noch das Leben prägen kann, ob man sein Leben einst – bald? – vor Gott verantworten muss, oder ob, wie es ironisch oder desillusioniert heißt, „nachdem die Väter entschlafen sind“, immer noch alles so bleibt, „wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist.“ – ewiger Stillstand, ewige Wiederholung.

Der Autor kennt sich aus in der christlichen Tradition, den Schriften, die langsam zum Neuen Testament zusammenwachsen. Er beruft sich auf den ersten Petrusbrief, dem er sein Schreiben anfügt, er zitiert aus den Evangelien, er hat erlebt, wie die Briefe des Paulus von der Gerechtigkeit, die von Gott kommt, sprechen, aber in ihrer Ausdrucksweise doch die Zuhörer überfordern. Er will ein Wort zur Zeit, zu seiner Zeit schreiben, das – ganz ungewöhnlich – tatsächlich an „alle“ gerichtet ist, „an alle, die mit uns denselben teuren Glauben empfangen haben durch die Gerechtigkeit, die unser Gott gibt und der Heiland Jesus Christus“. Also: „Alle mal herhören!“:

Was macht er? Er schlüpft in die Rolle des Petrus, in den großen Moment, als er mit Jesus und den Söhnen des Zebedäus, Jakobus und Johannes, die Verklärung erlebte. Er nimmt die Gemeinde mit auf den Berg, als ob sie Augenzeugen wären, als ob er einer wäre: „Wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.“ Ist das pure Anmaßung, oder die Kunst, Erinnertes Aufleben zu lassen, zu vergegenwärtigen, wenn wir es erzählen? Nichts anderes tun wir an unseren Festen, Weihnachten, Ostern, Pfingsten, dass wir uns hineinversetzen und hineinziehen lassen in das Geschehen, die Tradition und die Gefühle all dieser Geschichten. Nicht anders machen es die Juden – bis heute – wenn sie ihre Feste feiern: Passa, Laubhüttenfest, Channuka, Purim. Und so wird der Leser eingeladen, doch selbst den Berg der Verklärung mit zu ersteigen, seine Probleme einmal mit gehörigem Abstand zu betrachten und der Stimme, „die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit“, als Grund des Glaubens neu zu vertrauen: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“. Der Gekommene ist der Kommende. Auf sein Kommen weist das prophetische Wort, er weckt in den ermatteten Christen seine Hoffnung. Es trägt das Licht der Verklärung, in dem Jesus erstrahlte, bis in die Orte, wo die Christen fürchten, von der Dunkelheit verschlungen zu werden, und in die Herzen, die am Ende der Nacht nach dem Morgenstern und der ersten Dämmerung sehnsüchtig Ausschau halten. Wir haben hier eine der stärksten Passagen dieses Briefes vor uns. Die Gafahr ist natürlich, die Wahrheit dieser Aussagen zu sehr an der Person festzumachen – gerade, wenn der Verfasser eben nicht der Fischer Simon vom See Genezareth ist. Daher muss man dann auch – wie Jesus – den Berg der Verklärung wieder verlassen und sich den Mühen der Ebene widmen – und mehr erklären als verklären. Denn heute genügt es vielen nicht, sich auf eine Autoritätsperson zu verlassen – gerade wenn kirchlich hier schon der Weg zum bestimmenden Bischofs- und Papstamt vorgezeichnet ist. Mit Recht werden Autoritäten hinterfragt und Begründungen verlangt – auch der Autor des 2. Petrusbriefs muss sich das gefallen lassen: Und da findet sich außer Anklängen an Paulus nicht so sehr viel Substanz, sondern ganz viel Schwarz-Weiß-Denken. Ganz gegen seine Absicht, Hoffnung zu wecken, sieht er die Welt im Verfall und die Christen von lauter bösen Mächten umgeben – und das würde beim baldigen Weltgericht endlich sichtbar. Den vielfältigen Tugenden der Christen stehen umso mehr Laster und Verfehlungen der übrigen Menschheit entgegen. So verständlich – gerade in Krisensituatioenen – solch schematische Vereinfachungen sind, so gefährlich ist die darin versteckte Aggression, die Behauptung, im Recht zu sein. Es geht am Ende nicht um das Recht haben, sondern von Christus bei Gott ins Recht gesetzt zu sein, als seine geliebten Söhne und Töchter. Was wir vor Gott sind, ist nicht Verdienst, sondern Geschenk. Mit Recht beginnt unser „an-alle“-Brief: „Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft.“ Nehmen wir dies Geschenk dankbar an, und freuen wir uns daran!