Gottesdienst am 4. April 2021 – Ostersonntag

Epistel: Kolosser 3,1-4

1 Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. 2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist. 3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. 4 Wenn aber Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.

 

Evangelium, zugleich Predigttext: Matthäus 28,1-10
 

1 Als der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; 7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. 10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

 

 

Liebe Gemeinde!

Aus welchem Impuls brechen die Frauen auf zum Grab? Mehr als verständlich wäre, wenn sie zu Hause blieben. Die Katastrophe ist geschehen, es bleibt nur, in der Erinnerung den Weg Jesu zu betrachten: Was für ein hoffnungsvolles Leben, welch grausames Ende! Hat er geahnt, dass ausgerechnet am Kreuz sich sein und unser Leben wendet? „Von nun an werdet ihr sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen auf den Wolken des Himmels“ - mit diesen Worte steht Jesus vor Kaiphas, und damit scheinbar schon ein wenig außerhalb der Realität.

So gehen sie, die beiden Marien – von Salome, noch bei Markus erwähnt ist hier nicht mehr die Rede. Auch etwas Konkretes zu tun gibt es nicht: keine Salböle bei Matthäus, nur ein wehmütiger Blick, eine Suche nach Nähe, nach Begreifen, um von dort aus die Spur Jesu wieder rückwärts zu verfolgen.

Plötzlich verändert sich die Gegenwart. Die Elemente geraten in Bewegung, Kräfte aus der Tiefe der Erde beginnen zu wirken – ein welterschütterndes Ereignis geschieht, doch ohne Verletzte und bleibende Schäden. Nur die Grabwache ist außer Gefecht gesetzt, und der Stein vor dem Grab kommt ins Rollen. Ein Engel hat ihn bewegt, Zeichen, dass himmlische Mächte, dass Gott in den Lauf der Welt eingreift.

So werden nun die Frauen schon erwartet. Der Engel hat sich auf den Grabstein gesetzt, um seine Botschaft von Gott auszurichten, um den Geschehenen Bedeutung zu geben.
Das erste ist die Ermutigung: „Fürchtet euch nicht!“ Das Unvermutete, die Begegnung mit dem Heiligen versetzt in Angst und Schrecken – die Botschaft des Engels ruft aus der Schockstarre ins Lebendige hinein, wandelt Angst in Vertrauen, macht wieder aufnahmebereit.

Als zweites folgt die Erklärung, seelsorgerlich einfühlsam. Der Engel beginnt bei der ursprünglichen Frage: „Ihr sucht Jesus“ – nun müsst ihr die Richtung des Suchens verändern: „Er ist nicht hier“ - das ist die schlechte Nachricht; „er ist auferstanden“ - das ist gleich darauf die gute, erst einmal atemberaubende Nachricht, das Evangelium.

Es bleibt aber nicht bei Worten allein. Wie wir alle, möchten sie sich selbst ein Bild machen, und sie dürfen es auch: „Seht die Stätte, wo er gelegen hat.“ Das leere Grab ist kein Beweis im strengen Sinn, aber doch ein Hinweis und Wegweiser, vom Sehen zum Glauben zu kommen.

Und viertens geht die Botschaft nicht allein die Frauen etwas an. Die Jünger sollen davon erfahren, die Frauen werden zu Apostelinnen, zu von Gott Gesandten, wie dann auch die Jünger. Sie haben einen Auftrag Gottes zu erfüllen. Der Auftrag ist dringlich, „er wird vor euch hingehen nach Galiläa“, dort, wo alles begann, da will man ihn keinesfalls verpassen. Man kann sich vorstellen, wie dies Körper und Seele beflügeln kann, wie leichtfüßig die Hoffnung macht.

Unverhofft kommt es nun zur Begegnung mit dem Auferstandenen, nicht erst in Galiläa, sondern noch auf dem Gräberfeld. Und was der Maria Magdalena im Johannesevangelium verwehrt bleibt - „rühre mich nicht an“ - das können sie hier tun, ihn bei den Füßen fassen, das ist viel mehr als das „sehen“, zu dem sie gekommen waren. Jesu Worte wiederholen nur, was der Engel schon gesagt hat, und so bleiben sie einen kurzen Moment: lange genug, sich zu vergewissern, aber auch nicht zu lange, damit sie ihre „Sendung“, ihren dringlichen Auftrag nicht vergessen, noch einmal mit dem „Fürchtet euch nicht“ bestärkt. Sie werden es nötig haben, wo doch Macht immer mit Einschüchterung und Bedrohung ausgeübt wird. Die Botschaft Jesu steht dagegen: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“. Sie wird ihre Spuren hinterlassen, in der Kette von Zeuginnen und Zeugen, die weitergegeben und bewahrt haben, was die Frauen in freudige Bewegung versetzt hat: die gute Nachricht, dass Jesus auferstanden ist und uns zu seinen Botinnen und Boten der Freude macht.