Gottesdienst am 6. Januar 2021 – Epiphanias

Epistel: Epheser 3,1-7:

1 Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden – 2 ihr habt ja gehört von dem Auftrag der Gnade Gottes, die mir für euch gegeben wurde: 3 Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich zuvor aufs Kürzeste geschrieben habe. 4 Daran könnt ihr, wenn ihr’s lest, meine Einsicht in das Geheimnis Christi erkennen. 5 Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; 6 nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, 7 dessen Diener ich geworden bin durch die Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben wurde.


Evangelium: Matthäus 2,1-12

1 Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.

3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, 4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 5 Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): 6 »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.« 7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete. 9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 10 Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut 11 und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12 Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.


Predigttext: Jesaja 60,1-6

1 Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! 2 Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. 3 Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. 4 Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt, kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen und deine Töchter auf dem Arm hergetragen werden. 5 Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. 6 Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.

 

Liebe Gemeinde!

In den Tagen vor Weihnachten brannte in unserer Kirche das Friedenslicht aus Bethlehem. Von Land zu Land, von Hand zu Hand wurde es weitergegeben und kostbar gehütet und mit jeder entzündeten Kerze größer gemacht. So ähnlich ist das auch mit unseren Bibeltexten. Wie bei einer Stafette wird die Hoffnung weitergegeben und über die Zeiten getragen. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht“, heißt es im 9. Kapitel des Jesajabuches. Und viele Jahrzehnte später greifen andere Propheten die Heilsbotschaft auf und machen sie groß: der „andere“ Jesaja ab Kapitel 40 und seine Nachfolger. „Mache dich auf, werde Licht“, so wird Jerusalem, die „Tochter Zion“ angeredet, aufgemuntert, herausgefordert. Von Menschen sagt man, dass sie eine besondere Ausstrahlung haben, ein Leuchten in den Augen, eine Begeisterung, auch eine Weisheit, dass sie als „erleuchtet“ gelten. Aber eine Stadt: äußerlich kann man sie heutzutage wohl ins rechte Licht setzen, mit Scheinwerfern die Sehenswürdigkeiten, Mauern, Kirchen und das Rathaus beleuchten, die Giebel der Häuser mit Lampen schmücken, dass man sie von weither sieht und sich darin sicher und geborgen fühlt.

Nur hatte Jerusalem damals wenig Anziehendes zu bieten. Die Spuren der Zerstörung durch die Babylonier waren allgegenwärtig, Tempel und Stadtmauer wurden in kleinen Schritten wieder neu aufgebaut. Das Land war jetzt eine persische Provinz, und die königliche Verwaltung wollte zwar das neue Leben fördern, achtete jedoch auch darauf, dass die Stadt nicht zu mächtig wurde. Von Innen heraus konnte das Licht also nicht kommen.

Stattdessen wird die Stadt „von höherer Warte aus“ ins Licht gesetzt: „dein Licht kommt, die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir“. Der Prophet schlüpft hier in die Rolle des Nachtwächters: Noch herrscht Dunkelheit, aber ungeduldig schaut er aus nach dem ersten Licht des neuen Tages. Dass er kommt, dass die Verheißung sich erfüllt, steht ohne Zweifel fest. Und so kann er schon verkünden, was sich erst in allernächster Zukunft einstellt: Nicht nur die Juden werden sich um Zion scharen – die, die schon im Land sind und auch die, die noch im Zweistromland verblieben waren – sondern auch die Völker, die „Heiden“ kommen wie in einer Prozession. So groß ist die Ausstrahlung dieses Ortes und dieses Gottes. Auch hier verkündet der Prophet nichts Neues. Die Wallfahrt der Volker findet sich schon bei Micha und Jesaja, mit dem Bild des umfassenden Friedens: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln.“ Wo sich die Menschen der Welt friedlich versammeln, kann sich Freude und Glück ausbreiten, und das macht die Herzen weit. Das geht so weit, dass die Fremden Jerusalem mit den kostbarsten Gaben überschütten. Kamele, Gold und Weihrauch sind erwähnt, es folgen Viehherden und Schiffsladungen voller Schätze, die Unterdrücker werden gebeugt und die Mauern neu erstehen. Die prophetische Vision endet: „Deine Sonne wird nicht mehr untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben.“

Solche Bilder wirken, selbst wenn die Fakten dagegen sprechen. Fakt war, dass sich die Völker nach Persien bewegten, um dort ihre jährlichen Gaben abzuliefern, den persischen König zufriedenzustellen, der sich im Alten Orient wie ein Gott verehren ließ. Am Palast von Persepolis ist die Prozession der Völker dargestellt, jedes in typischer Landestracht mit den Tributgaben, alles für den König in der Mitte. Ist es so, dass hier der Prophet seinen Protest anmeldet? Die Wirtschaftsströme müssten sich umkehren, die Unterwürfigkeit gegenüber dem König sich in die Wertschätzung füreinander und für Gott verwandeln. So wäre es gerecht vor Gott! Aber so einfach ist es nicht. Das Idealbild stimmt auch nicht für das Land um Jerusalem. Solange dort Unrecht und Ausbeutung herrschen, und nur äußerlich die Frömmigkeit gelebt wird, ist die Ausstrahlung dahin. Erst wo den Hungrigen, Elenden und Obdachlosen geholfen wird, geschieht es: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen.“ Bis heute wissen wir, wie wichtig das Ansehen, die Ausstrahlung eines Staats oder eines Unternehmens von außen  ist, und wie hart ein guter Ruf erworben, und wie schnell er wieder zerstört ist.
Wenn der Evangelist Matthäus seine Geschichte von den Sterndeutern erzählt, knüpft er bei den alten Prophetien an. Sie erfüllen sich nicht im wörtlichen Sinn, aber die Hoffnungsbilder werden weitergetragen und erneuert. Die Welt ist immer noch in Dunkelheit, sonst wäre ja der Stern, der besondere, gar nicht zu sehen. Und die dem Licht folgen, sind nur einige wenige und nicht ganze Scharen. Aber sie bringen zeichenhaft und von ganzem Herzen ihre Gaben, von denen Jesaja schon zwei erwähnte: Gold und Weihrauch. Und da sie in die Ferne zurückkehren, nehmen sie auch die Botschaft des Evangeliums mit, die erst mit den Aposteln um die Welt ging: Dass Gott sich uns zuwendet und öffnet, dass er von nun an die Welt nicht dem Dunkel überlässt, sondern in Christus sein Licht aufgehen ließ.