Gottesdienst am Sonntag, 21. Juni 2020 - zweiter Sonntag nach Trinitatis

Epistel: Epheser 2,17-21


17 Jesus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.

18 Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.

19 So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,

20 erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,

21 auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.

22 Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

 

Evangelium: Lukas 14,16-24
 

16 Jesus sprach: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein.

17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit!

18 Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.

19 Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.

20 Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen.

21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein.

22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.

23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.

24 Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.

 

Predigttext: Matthäus 11,25-30
 

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

 

Liebe Gemeinde!

Dieser Abschnitt des Matthäus-Evangeliums ist so etwas wie Balsam für die Seele. „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“. Alles ist in ein mildes, warmes Licht getaucht, wie mit einem Weichzeichner fotografiert, dass die Konturen verschwimmen. Nur Jesus steht da, sanft und mild, einladend: Kommt her, lasst euch von mir entlasten! Wie gut allein schon die Ankündigung tut! Da ist nicht noch einer, der mir neue Aufgaben aufhalsen will, mir ungebeten Ratschläge gibt, der mich mit Richtlinien und Vorschriften bedrängt, der meinen Glauben eng und trostlos machen will. Christus nachfolgen – das ist nicht mühsam und schwer, im Gegenteil: es wirkt erleichternd auf Körper und Seele. So werden sich viele, jede und jeder auf seine Weise, von den Worten Jesu angesprochen fühlen – dort, wo er oder sie sich „mühselig und beladen“ empfindet.

An wen wendet sich Jesus, wenn er von den „Mühseligen und Beladenen“ spricht? Die „sich plagenden und Belasteten“ sind wohl zuallererst die Menschen, die Jesus täglich vor Augen hatte, die ihm in den Dörfern und Städten zujubeln, die ihm auf seinem Weg folgten, die er in seinen Gleichnissen beschreibt: Bauern, Handwerker wie er selbst, die sich in harter Arbeit ihre bescheidene Existenz sichern mussten, Tagelöhner, die nicht wussten, wo und wie sie am nächsten Tag Arbeit finden würden, Fischer, die oft vergeblich herausfuhren auf den See. Ganz zu schweigen von denen, die außerhalb standen: die Verkrüppelten, die sich ihren Unterhalt erbetteln mussten, weil niemand für sie sorgte, die psychisch Kranken, die Leute von der Landstraße, anrüchige Frauen und Männer. Man stellt schnell fest, dass die Evangelien die Oberschicht kaum erwähnen: es fehlen die Leute vom Hof, die Beamten, die Gutsherren, die griechisch sprechenden Gebildeten, die Händler und Kaufleute. Jesus hatte es mit den einfachen Leuten zu tun, sie folgten ihm. Es sein die, die sich abmühen, abplagen, an den bescheidenen Verhältnissen, in die sie geboren wurden.

Auch die Religion machte es ihnen nicht leicht: Hunderte von Vorschriften und Auslegungen waren zu beachten, und sie wurden von den Frommen genau beobachtet. Jesus beginnt auch hier mit der Entlastung, indem er am Sabbat Ähren ausrauft und Kranke heilt, immer die Bedürfnisse im Blick.

Er zieht auch keine Grenze, wen er zu den Mühseligen und Beladenen zählt – wir können uns dazuzählen, wenn wir ihn annehmen und seinen Worten vertrauen. Unser Abschnitt beginnt ja mit einem Gebet, einem Lobpreis Gottes. enger Kreis, der sich immer weiter ausdehnt – wenn man es für sich annimmt: Nicht mehr zu den Starken und Klugen gehören wollen, die alles aus eigener Kraft und Einsicht schaffen können, dafür Jesus als Vorbild nehmen, der fast ein Anti-Held ist: sanftmütig und von Herzen demütig, und der doch um seine Bedeutung weiß: „ Alles ist mir übergeben von meinem Vater.“ Seine Macht überwältigt nicht, sie schleicht sich leise an, sie kommt leichtfüßig voran, sie zwingt nicht, sie wirkt und überzeugt durch Liebe.

Und dann ist es an uns, das Belastende und „Unerquickliche“ zwar wahrzunehmen, aber darunter und dahinter „Jesu Heilandsruf“, wie die Überschrift in der Lutherbibel heißt, auch zu hören und anzunehmen: Wie kann ich ihm Lasten abgeben? Wie kann ich annehmen, dass seine Liebe mich trägt? Es gibt so viele Möglichkeiten, uns zu entlasten: ein offenes Gespräch unter Freunden, eine Wanderung durch die Natur, ein Konzert oder ein Museumsbesuch weckt Fantasie und Tatkraft. Und vielleicht gönnt man sich auch einen „Oasentag“, wo man ohne Plan und Druck dem nachgeht, was in uns arbeitet und Ausdruck finden will. Und auch der Glaube soll und kann Entlastung bringen: einmal von sich selbst absehen, sich im Gebet Gott anvertrauen, singend sich die Worte und Töne anderer zueigen machen, in der Gemeinschaft der Glaubenden ermutigt werden, im Segen spüren, dass wir von Gott gesandt sind, den Spuren seiner Liebe zu folgen und sie weiterzugeben.

 

Der Theologe und Dichter Cornelius Friedrich Adolf Krummacher hat das Vertrauen auf Gott in seinem Lied "Stern, auf den ich schaue" in vielen Bildern zum Ausdruck gebracht:

1. Stern, auf den ich schaue, Fels auf dem ich steh,
Führer, dem ich traue, Stab, an dem ich geh,
Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh,
Ziel, das ich erstrebe, alles, Herr, bist du.

2. Ohne dich, wo käme Kraft und Mut mir her?
Ohne dich, wer nähme meine Bürde, wer?
Ohne dich dich, zerstieben würden mir im Nu
Glauben, Hoffen, Lieben, alles, Herr, bist du.