Gottesdienst an Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020

Epistel: Apostelgeschichte 1,3-11

3 Jesus zeigte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt;

5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;

8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.

10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

 

Predigttext: Johannes 17,20-26

20 Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden,

21 dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.

22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind,

23 ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.

24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war.

25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.

26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

 

Liebe Gemeinde,

dieser Jesus, der diese Worte sagt, wirkt schon ziemlich entrückt. Zwar stehen wohl seine Füße noch auch der Erde, aber mit dem Kopf, mit seinen Gedanken hat er schon längst seinen Platz bei Gott eingenommen. Es wirkt, auch wenn das Johannesevangelium keine Himmelfahrtsgeschichte kennt, wie wenn er aus weiter Ferne zu uns spricht, nein, betet. „Aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“, so sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Dieser Abschnitt ist ohne Zweifel ausschließlich sein Gebet, keiner von uns kann für sich beanspruchen. Nur er ist Gottes Botschafter, eins mit dem Vater. Das weiß der Leser des Evangeliums von Anfang an: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14). Er ist, wie wenn sich ein Fenster in den Himmel, direkt zu Gott, auftut, er ist dieses Fenster. Und Jesus erhebt betend die Augen zum Himmel, wendet sich Gott zu, an einer entscheidenden Stelle des Evangeliums. Seine irdische Wirksamkeit geht dem Ende, der Passion entgegen. In den drei Kapiteln der Abschiedsreden bereitet er die Jünger auf ein Leben ohne seine ständige Gegenwart vor. Er verspricht den Geist als Trost und Beistand. Und nun, als letzte Atempause, als Innehalten vor der Passionsgeschichte, ist das 17. Kapitel ein langes Gebet, in dem er sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für seinen Jüngerkreis vergewissert, dass er von Gott gesandt ist und in seine Herrlichkeit zurückkehrt, und dass seine Jüngerinnen und Jünger daran Anteil haben werden. Seine Worte sind zuerst Richtschnur und Ermutigung für die verbleibenden elf Jünger – Judas hat die Gemeinschaft schon verlassen.

Es sind schwere, verschachtelte Sätze voller Wiederholungen, mal wie ein inneres Gespräch mit sich selbst, mal wie eine Beschwörung, um noch einmal letzte Gewissheit über seine Sendung zu erlangen. Keine leichte Kost, immer wieder wechselt der Fluss der Gedanken abrupt die Richtung. Alles, wovon im Evangelium vorher schon die Rede war, fließt hier zusammen. Gleichzeitig ist die Sorge zu spüren, wie die aus ihm hervorgegangene Bewegung weiter bestehen kann. Hier gibt es dann doch Berührungspunkte mit dem Vaterunser, natürlich schon in der Anrede, dann auch: „Erhalte sie in deinem Namen“ (V.11), und die Bitte, „dass du sie bewahrst vor dem Bösen“ (V.15). Dann aber kommt doch etwas Neues in den Blick: Die Gemeinde, die sich aufgrund des Zeugnisses der unmittelbaren Zeugen erst noch bilden wird. „Ich bitte aber nicht allein für sie“, die Jesus begleitenden Jünger, von denen nur der Lieblingsjünger, seine Mutter und andere Frauen unter dem Kreuz übrig bleiben werden, „sondern für die die durch ihr“ - nämlich der Jünger „Wort an mich glauben werden“. Hier ist angedeutet, wie durch eine Kette von Glaubenserfahrungen am Ende Kirche entsteht, nicht als Institution, sondern als Gemeinschaft von Glaubenden in einer skeptisch ablehnenden Welt. Dieser Satz markiert den Übergang von der Jesus-Zeit in die Gemeinde-Zeit, ebenso wie es die Himmelfahrtsgeschichte im Übergang vom Lukas-Evangelium zur Apostelgeschichte tut. Es liegt Jesus zu allerletzt am Herzen, was aus dieser Gemeinde wird. Die Gefahr der Entzweiung ist groß, Missgunst und Streit könnten alles Erreichte schnell zunichte machen. Darum bittet er um die Einheit, das Einssein, eine Bitte, die seither die Christenheit begleitet und herausfordert, im Großen wie im Kleinen. Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten gibt es immer wieder; die Kunst ist es, trotzdem sich gelten zu lassen und beieinander zu bleiben. Und im Großen geht es darum, unter den vielen Konfessionen, in die sich die Christenheit aufgespalten hat, das Einigende und Verbindende wieder zu stärken, und sei es z.B. in den konfessionsverbindenden Ehen. Ökumenisches Handeln muss ein zentrales Anliegen jeder Kirche und Gemeinde sein, und so ist es einfach nur schade, dass das Gemeindefest, dass wir seit einigen Jahren ökumenisch feiern, in diesem Jahr ausfallen muss, ebenso wie die ökumenischen Bibelgespräche, die Kinder- und Krabbelgottesdienste im Moment ruhen müssen. Auf das Einssein von Jesus her orientiert, weist er – zum letzten Mal im Evangelium – nun auch den Weg dorthin durch das Liebesgebot: „damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen“.

Amen

 

Das Lied EG 561 erklärt mit heutigen Worten von Detlev Block, was die Himmelfahrtsgeschichte für uns bedeuten kann:
 

1. Wir feiern deine Himmelfahrt mit Danken und mit Loben.
Gott hat sich machtvoll offenbart, das Kreuz zum Sieg erhoben.
Er sprach sein wunderbares Ja. Nun bist du immer für uns da,
entgrenzt von Raum und Stunde.
 

2. Das Reich, in das du wiederkehrst ist keine ferne Höhe.
Der Himmel, dem du zugehörst, ist Herrschaft und ist Nähe.
Präg du uns ein, Herr Jesu Christ: Gott ist nicht, wo der Himmel ist,
Wo Gott ist, da ist Himmel.

3. Nimm uns in deinen Machtbereich, gib Kraft zu Tat und Leiden
und mach uns deinem Wesen gleich im Wollen und Entscheiden.
Wir freuen uns, Herr Jesu Christ, dass da auch ein Stück Himmel ist,
wo wir dein Wort bezeugen.