Gottesdienst am 7. Juni 2020 – Sonntag Trinitatis

Epistel: Römer 3,1-8

 

33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13)

35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?« (Hiob 41,3)

36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Evangelium: Johannes 3,1-8

1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden.

2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.

7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden.

8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

 

Predigttext: 4. Mose 6,22-27

22 Und der Herr redete mit Mose und sprach:

23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

24 Der Herr segne dich und behüte dich;

25 der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

26 der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

 

Liebe Gemeinde!

Am Ende des Gottesdienstes steht der Segen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Kein Kommentar, keine Diskussion, wo doch in der Kirche so gern alles diskutiert wird. Es sind Worte auf den Weg, Worte, die wohltun. Das spüren auch die, die es im Leben schwerer haben: „Halt's Maul, jetzt kommt der Segen“ heißt ein Buch über den Religionsunterricht an einer Förderschule. Instinktiv spüren die Kinder, dass im Segnen etwas wertvolles geschieht. Die unmittelbare Ansprache ist es, die Kraft der Worte, die den Segen so besonders macht. Zuerst ist der Einzelne, die Einzelne im Blick: Dir wendet sich Gott zu! Du bist von Gott gesehen! Du gehst nicht in der Masse unter, und wenn es Gottes heiliges Volk Israel ist. Es sind tröstende, kraftvolle und mutmachende Worte. Sie stammen aus der Zeit der Wüstenwanderung, als Geduld und Durchhaltevermögen lebenswichtig waren. Es gab nur den Weg, auf Gott und seine Führung zu vertrauen. Und so steht in jeder Zeile der Gottesname an erster Stelle. Es ist der Gott, der sie in die Freiheit geführt hat, der ihnen die Gebote gegeben hat, der ihnen das gelobte Land verheißen hat. Sein Wort ist Wort und Erfüllung in einem. Der Gott, der sonst auf den Abstand wert legt – Mose muss in einer Felsspalte Zuflucht nehmen und darf nur von hinten sehen, wie seine Herrlichkeit vorbeigeht – zeigt hier Zuwendung und Nähe, man könnte sagen, seine väterlich-mütterliche Seite. Ich habe es selbst erlebt, wie gut es tut, ganz persönlich gesegnet zu werden, wie es zum Beispiel bei den Gottesdiensten am Freitagmorgen auf dem Schwanberg möglich ist. Als ich im Herbst krank war, ist ein Mitglied unserer Gemeinde eigens zu mir gekommen und hat mich gesegnet. Vielleicht tun wir das viel zu selten. Im normalen Leben einer Gemeinde ist der Einzelsegen die große Ausnahme: bei der Taufe, vielleicht bei der Einschulung, zur Konfirmation und zur Hochzeit, und dann womöglich erst wieder zum Sterben – das ist entschieden zu wenig. Gönnen wir uns diese Ermutigung doch öfter! Meine frühere Religionslehrerin, eine der Pfarrerinnen der ersten Generation, hat es sich zur Aufgabe, zum „Hobby“ gemacht, Segenssprüche zu schreiben, manchmal auf Bitten hin, manchmal einfach aus der Situation heraus. Sie findet Worte, die gut tun. Und das ist ja auch der Sinn von Segen, lateinisch „bene dicere“ - gutes sagen. Es ist eine tägliche Übung, nicht andere, nicht sich selbst und das, was ist, schlecht zu reden. Segen bedeutet, das Gute und die Güte anzuerkennen und anzunehmen. Segen bedeutet, auf Zukunft hin zu leben und den Möglichkeiten zu vertrauen, die Gott uns auftut. Segen bedeutet, nicht sich groß zu machen, sondern allen anderen auch ihren Segen zu gönnen und sich am Gelingenden zu freuen. Segen ist etwas, was sich ausbreiten kann. „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein“, wird dem Abraham gesagt. Wenn Gott seine guten Gedanken auf uns legt, entsteht „Schalom“, der Frieden, der weit mehr ist als dass die Waffen schweigen: es ist ein Wohlergehen ringsum, ein Raum des Vertrauens, wo niemand einem anderen etwas Böses will. Dass dies etwas wichtiges, schönes, aber auch zerbrechliches ist, ahnen auch schon die Kinder. Darum singen sie mit Begeisterung Segenslieder wie „Gott, dein guter Segen ist wie ein großes Zelt“. Sie genießen es, wenn im Miteinander Räume der Freiheit entstehen, wo man sich nicht mehr gegenseitig messen und belauern muss, sondern so sein kann, wie man ist – oder besser: wie uns Gott geschaffen hat, der Gott, der uns zutraut, ein Segen zu sein, füreinander und für diese Erde.

 

In unserem Gesangbuch findet sich unter der Nr. 899 eine ausführliche Besinnung über den Segen.

Der Lindauer Pfarrer Georg Kugler hat unser Stelle eine schöne Erweiterung und Erläuterung gegeben:

Der Herr
voller Liebe wie eine Mutter und gut wie ein Vater
Er segne dich
er lasse dein Leben gedeihen, er lasse deine Hoffnung erblühen, er lasse deine Früchte reifen,
Der Herr behüte dich
er umarme dich in deiner Angst, er stelle sich vor dich in deiner Not.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir
wie ein zärtlicher Blick erwärmt, wo überwinde er bei dir, was erstarrt ist.
Er sei dir gnädig
wenn Schuld dich drückt, dann lasse er dich aufatmen und mache dich frei.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich
er sehe dein Leid, er tröste und heile dich.
Er gebe dir Frieden
das Wohl des Leibes, das Heil deiner Seele, die Zukunft deinen Kindern.

 

Eines der schönen Segenslieder im Gesangbuch heißt: "Der Herr segne dich und behüte dich" (EG 570)

1, Der Herr segne dich und behüte dich, und Freude leuchte über deinen Wegen.
Der Herr segne dich und behüte dich, in seine Hände kannst du alles legen.
Amen, Amen, Amen. Du gehst nicht allein. Amen, Amen, Amen. Es wird Friede sein.

2. Der Herr segne dich und behüte dich, der auch den fernsten Stern beim Namen nennt.
Der Herr segne dich und behüte dich; er ist's, der auch dein Licht und Dunkel kennt.
Amen, Amen, Amen. Du gehst nicht allein. Amen, Amen, Amen. Es wird Friede sein.

3. Der Herr segne dich und behüte dich; er ging für dich den Weg, der Liebe heißt.
Der Herr segne dich und behüte dich; er leite dich mit seinem guten Geist.
Amen, Amen, Amen. Du gehst nicht allein. Amen, Amen, Amen. Es wird Friede sein.